Früher hatten es Herrschende noch einfach. Ihnen gebührte die erste Nacht. Auch besser bekannt unter „ius primae noctis“. Das Recht stammt aus dem Mittelalter und reichte noch lange bis in die Zeit des Absolutismus. Nach diesem freien Gesetz durfte der Herrschende in der ersten Hochzeitnacht die ihm untergebene Frau nehmen und die Entjungferung durchführen. Zu der damaligen Zeit waren die meisten Frauen bis zur Ehe Jungfrauen. Waren sie das nicht mehr, sank auch ihr Wert. Die Wahrscheinlichkeit einer Vermählung war dann meistens ausgeschlossen.

Keine feste Regelung

Das Recht des Herrschenden, zum Beispiel des Königs, jede Frau, die in seinem Gebiet mit der Heirat zu entjungfern war aber eigentlich nie gesetzlich geregelt. Zudem verstoß es eindeutig gegen die christliche Moral. Dennoch war es durchaus üblich. In Filmen wird eine solche Situation immer mit viel Herzschmerz dargestellt. Dabei mussten damals viele Mädchen nicht einmal gezwungen werden. Ganz im Gegenteil, viele der Frauen empfanden es als Privileg, durch den König entjungfert zu werden. Allerdings sollte man hier auch bemerken, dass die Menschen zur damaligen Zeit nicht aufgeklärt waren. Was genau in der ersten Nacht passierte, war vielen der jungen Frauen damit eigentlich gar nicht bewusst. Das erklärt vermutlich auch den fehlenden Widerstand gegen diese Anordnung.

Herrscher schützte sich vor Krankheiten

Für den Herrschenden war es zum doppelten Vorteil. Zu einem kam er als einer der Wenigen im Land an den Vorteil, die erste Nacht genießen zu dürfen und zum anderen konnte er sich vor Geschlechtskrankheiten schützen. Denn bei jungfräulichen Mädchen war diese Gefahr nicht vorhanden. Syphilis war eine vielverbreitete Krankheit. Durch Affären mit Jungfrauen und jungen Mädchen könnten sich Herrscher oft gut schützen. Die Gefahr war relativ gering. Dabei kam es natürlich auch immer wieder zu ungewollten Schwangerschaften. So dann wurden viele der Mädchen, abseits der ersten Nacht, an Höflinge und andere verkuppelt oder besser weitergereicht. Sinn war dabei, die Kinder zu versorgen.

Die Kirchen schauten weg und vermieden eine moralische Aufklärung. In einigen Geschichtsbüchern sind so auch immer wieder Bischöfe zu finden, die durch ihre landesherrliche Funktion dieses Recht für sich selbst beanspruchten.

Bis in unsere Zeit

Dieses Recht löste sich zwar später nach und nach auf. Doch noch weit bis zu den 1930er Jahren konnte man in vielen Ländern diverse Ausläufer erkennen. So wurde Hauspersonal, was in der Regel keine besondere Stellung in der Gesellschaft besaß, auch als sexueller Eigentum der Herren angesehen. So waren junge Frauen und Mädchen mit guter Figur stets als Stubenpersonal gern gesehen. Dass es dabei auch immer wieder zu sexuellen Übergriffen kommt, konnte man bis lange zum Ende des 2. Weltkrieges immer wieder bemerken. Zwar war damals die Vergewaltigung auch von Hausangestellten strafrechtlich geregelt, dennoch wurde es geduldet oder einfach totgeschwiegen.

Sehr umstritten

Der ius primae noctis bis heute jedoch sehr umstritten. Denn außer in Filmen, kommt dieses Recht in Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit kaum zu Erwähnung.

Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, kann beim Campus Verlag ein Online-Buch (431 Seiten) kostenlos herunterladen. „Das Herrenrecht der ersten Nacht“.