Innige Freundschaft oder doch der Wunsch nach mehr?

Ein Thema, das uns alle betrifft und uns oft auf die Probe stellt. Kann es denn wirklich eine innige Freundschaft zwischen Mann und Frau geben, die nicht von sexuellen Wünschen geprägt ist? Diese Frage haben sich schon Gelehrte und Sexualexperten auf der ganzen Welt gestellt. Sicherlich wird die Frage nie im Ganzen beantwortet werden. Jeder hat seine eigene Sicht der Sache. Wir möchten einmal einen Schritt weiter gehen und die Frage mit den neuen sexuellen Freizügigkeiten weiter belasten. Dazu zählt vor allem das Internet mit seinen zahlreichen Pornowebseiten und den sozialen Netzwerken. Soziale Netzwerke werden heute übrigens prozentual zum größten Teil zum Flirten und Jagen genutzt.

Freundschaft – Platonisch oder Sexuell

Männer oder Frauen, die beim anderen Geschlecht viele gute Freunde haben, werden nicht abstreiten können auch gelegentlich sexuelle Gedanken dabei zu entwickeln. Ich erinnere mich noch gut an eine Situation. Als ich längere Zeit in Warschau lebte, hatte ich einen Mann als Freund. Er kam aus Deutschland und verbrachte immer so um die 2 Wochen im Monat beruflich in Warschau. Wir sind uns irgendwann durch Zufall begegnet und waren uns sofort sympathisch. In vielen Gesprächen erzählten wir uns gegenseitig von Problemen in Liebe und Beruf. Wir mochten uns. Doch was hieß das? Wir verbrachten Abende zusammen, jeder kochte mal für den anderen. Wir sahen uns zusammen romantische Filme oder Actionstreifen an. Wir waren vertraut. Er war ein wirklich netter Mann und guter Freund. Doch, wenn ich ehrlich bin. An einigen Abenden herrschte eine so vertraute Atmosphäre, dass ich vielleicht auch zu mehr bereit gewesen wäre …

Es ist doch nie dazugekommen, er verschwand eines Tages aus meinem Leben und ich habe ihn nie wiedergesehen. Blicke ich auf meine Freundinnen, so lassen sich ähnliche Erzählungen finden. Gute Freundschaften mit Männern, ja sie sind möglich. Aber nur wenn der Mann auch schwul ist. Ist er es nicht, spielen von Zeit zu Zeit auch einmal sexuelle Gedanken eine große Rolle. Unabhängig, ob diese ausgelebt werden oder nicht. Eine Studienfreundin hatte dafür eine simple Regel. Auch sie hatte einen sehr guten Freund. Beide mochten sich sehr gerne. Doch vor Sex oder anderen Gefühlen hatten sie Angst. Sie wollten die Freundschaft nicht zerstören. So kam sie auf die Idee, sich für Sex von ihm bezahlen zu lassen. Seit dem trennten die beiden Freundschaft und Sex auf eine ganz eigene und eigentlich sehr banale Art und Weise.

Freundschaft und neue Medien

Soziale Netzwerke machen es uns heute vor. Freundschaft ist gleichbedeutend mit Sex. Vorausgesetzt der andere ist nicht schwul oder lesbisch! Ganz unverblümt suggeriert das die neue App „Bang with Friends“. Ein Klick reicht aus, um zu sagen, ich würde schon mal gern mit Dir … auch wenn Du ein (guter) Freund bist. Und seien wir doch mal ehrlich, suchen wir auf Facebook unsere Freunde nicht doch nach optischen Punkten aus? Unser Leben verlagert sich immer mehr auf schnelle und kurze Kontakte. In die Tiefe gehen ist kaum noch möglich. Geprägt von großen Pornonetzwerken, die uns mit teilweise billigen Videos beibringen, dass Sex mit jedem und überall nichts Verkehrtes ist. Also warum auch nicht einfach mal mit den besten Freunden ins Bett gehen … Unsere Jugend wächst mit diesem Gedanken auf. In den sozialen Netzwerken vögeln sich viele teilweise durch. Ein Flirt jagt den anderen unter dem Deckmantel der Freundschaft. Zwischendurch gibt es noch einen kurzen Pornofilm aus dem Netz. Nach dem Motto: Jede Freundschaft zwischen Mann und Frau sollte einmal im Bett landen.

Kinga

Artikelbild by Frank Howles (stockvault)